Kunstgeschichte Schloss Mainberg

Ernst Sachs engagierte den Münchner Architekten Franz Rank und dessen Firma Gebr. Rank  für den Umbau . Was die Villa Hügel für Krupp in Essen, Schloss Landsberg für Thyssen, das sollte Schloss Mainberg für Sachs in Schweinfurt sein. Rank entwickelte ein ambitioniertes Konzept und beließ das Äußere fast unverändert, im Inneren jedoch schuf er etwas komplett Neues.

Franz Rank setzte das für Unternehmervillen typische Raumkonzept um, das den Repräsentationspflichten bei gesellschaftlichen Anlässen ebenso genügte wie es die Ansprüche eines Industriebarons auf zeitgemäßes Wohnen befriedigte. Zu letzteren zählte selbstverständlich der Einbau eines Personenaufzugs sowie eine zentrale Heizungsanlage inklusive beheizbarer Handtuchwärmer in dem mit Marmor und Goldmosaik ausgeschlagenen Badezimmer. Rittersaal, Halle und der im Stil der Renaissance gehaltene Rote Saal mit Musikempore dienten der Bewirtung größerer Gesellschaften. Im neogotischen Herrenzimmer, wohin man sich nach dem Essen zum Rauchen und Billardspielen im kleineren Kreis zurückzog, kündet eine Ahnengalerie von den früheren Besitzern. Als Pendant stand den Damen ein neobarocker Salon zur Verfügung. Den Reigen der Privatgemächer eröffnet das Fürstenzimmer mit Stuckgirlanden, in die eine elektrische Beleuchtung integriert ist, gefolgt vom Jagdzimmer mit seinen Anleihen an den barocken Heimatstil.

Den künstlerischen Höhepunkt der Raumfolge jedoch stellt das Esszimmer mit einer vergoldeten Holzdecke im Stil der spanischen Renaissance dar. Für dieses schuf Matthäus Schiestl zwei großformatige Wandgemälde, die den Hochzeitszug der Margarete von Henneberg und den Sturm der Bauern auf Mainberg 1525  zeigen. Die anschließenden Rückzugsräume umfassen die klassizistische Ankleide, das Schlafzimmer im Empirestil und das Jugendstil-Bad  mit Tierkreiszeichen und Goldmosaik. Franz Rank und die von ihm hinzugezogenen Dekorationskünstler entfalteten hier noch einmal die ganze Pracht und Fülle des späten Historismus. Befremdlich jedoch wirkt aus heutiger Sicht die den Zeitumständen geschuldete Weltkriegsmetaphorik.

Bauinschriften dokumentieren an mehreren Stellen die weit verbreitete Kriegsbegeisterung („Im Krieg gebaut – auf Sieg vertraut“, „Viel Feind – Viel Ehr“ ; „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“). Sie künden bis heute von jenen Jahren, als in Europa sprichwörtlich die Lichter ausgingen. Trotz dieser militaristischen Anwandlungen stellen die Mainberger Innenräume insgesamt ein märchengleich durchkomponiertes Gesamtkunstwerk dar, wie es sich aus dieser Zeit und in dieser Qualität kaum anderswo erhalten hat. Auch deshalb spricht die Staatsregierung dem Schloss eine kulturhistorische und industriegeschichtliche Bedeutung zu, die weit über den Freistaat hinausreicht.

Der Hochzeitszug der Margarete (gemälde von Matthäus Schiestl)